Es wird viel von der strategisch wichtigen Rolle der IT im Unternehmen geredet. Die IT soll endlich vom ERP-Dienstleister zum Innovator werden und die Digitalisierungsthemen voranbringen.

Die Realität in vielen mittelständischen IT-Abteilungen ist davon aber auch heute noch meistens weit entfernt! Da wäre es schön, wenn die IT überhaupt erstmal Augenhöhe mit den Fachbereichen erreichen würde und ein gemeinsames Zusammenarbeitsmodell gefunden wird, von dem beide partizipieren.

Bisher wurde in diesem Zusammenhang viel von IT Alignment oder IT Demand Management geredet, aber jetzt gibt es endlich BizOps. Diese Konzept bringt anscheinend die Belange der IT mit den Anforderungen der Fachbereiche zusammen und hat dabei den Fokus immer auf den Nutzen und Mehrwert eines jeden IT-Projektes.

BizOps ist im Grunde eine Erweiterung von DevOps. So zielt DevOps etwa darauf ab, die beiden Silos Softwareentwicklung und IT-Betrieb bewusst aufzubrechen und eng miteinander zu verzahnen. Das macht Sinn und funktioniert in vielen IT-Abteilungen schon sehr gut. BizOps hebt diesen Gedanken nun auf die nächste Ebene. Denn es geht nicht länger um eine agile IT allein, sondern um bessere und schnellere Ergebnisse im Unternehmen insgesamt.

Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass der Fachbereich als Kunde frühzeitig in Prozesse einbezogen und die Zusammenarbeit zwischen Teams verbessert wird.

Wie sieht das in der Praxis aus?

BizOps-Teams bestehen aus IT- und Fachbereichsmitarbeitern und können unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen:

  1. Eng an einen Fachbereich angebunden für spezifische, aber unternehmenskritische Tasks
  2. Direkt an die Geschäftsführung angebunden für die strategische Planung und Erarbeitung sowie Validierung von neuen Geschäftsmodelle, die IT-, Daten- oder technologiegetrieben sind
  3. In der IT eingebunden mit starkem Bezug zu einem Fachbereich oder Prozessthema (idealerweise disziplinarisch in der IT, fachlich am Fachbereich mit Arbeitsplatz sowohl in der IT als auch im Fachbereich)

Was braucht ein solches BizOps-Team?

Das typische Skill-Set eines BizOps-Mitarbeiters könnte wie folgt aussehen:

  • Change Attitude
  • Umsetzer- und Macherqualitäten
  • Einfühlungsvermögen
  • Agile und flexible Denkhaltung
  • Eher Generalist als Spezialist – Allrounder
  • IT-Background
  • Strategisches Wissen und Geschäftsmodell-Know-how

Eine ideale Erweiterung des BizOps-Gedanken ist die Vereinigung mit DevOps zu einem Konzept, welches man BizDevOps nennen könnte. Damit ist die tatsächliche End-to-End-Verantwortung für ein IT-Produkt vom Fachbereich über die Entwicklung bis zur Operations gegeben.

Hört sich gut an, oder? Ich habe diese BizOps-Variante noch nirgends live erleben dürfen. Gibt es die da draußen wirklich? Und wenn ja, welche Erfahrungen hat man bisher damit gemacht? Es wäre sehr interessant zu sehen, wie ein solches Konstrukt in der Praxis wirklich umgesetzt und gelebt wird. Von daher würde ich mich über Rückmeldungen dazu sehr freuen.

Das Konzept dahinter scheint logisch und sinnvoll. Aber wie so oft im Leben: Viele Wege führen zum Erfolg. Und die enge Verzahnung zu den Fachbereichen kann auch über andere Modelle und Organisationsformen vollzogen werden.

Wichtig ist, dass Sie einen Impuls mitnehmen inwieweit Ihre IT schon eng genug an die Fachbereiche angebunden ist und wie die Zusammenarbeit zwischen beiden weiter intensiviert werden kann. Gerade in Zeiten von IT- oder datengetriebenen Geschäftsmodellen ist die IT ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Und von daher ist die Anbindung bzw. Angliederung der IT eine wesentliche Frage des Managements.

Es grüßt Sie herzlich

Volker Johanning