Die positiven Reaktionen und Kommentare auf meinen Artikel aus der vorherigen Woche mit dem Titel:„Brauchen mittelständische Unternehmen einen CDO“ hat mich dazu gebracht, dieses Thema näher zu beleuchten. Insbesondere die Abgrenzung zwischen IT und Digitalisierung und in der Führungsrolle zwischen CIO und CDO scheint in vielen Unternehmen nicht klar geregelt zu sein.

Die zwei primären Fragen dieses Artikels lauten daher: „Was sind die Aufgaben und Funktionsbereiche eines CIOs und eines CDO in einem Unternehmen? Und wo unterscheiden sie sich oder haben Ähnlichkeiten bzw. sogar eine Schnittmenge?“

Folgende Grafik zeigt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Aufgaben und Anforderungen des CDOs versus CIOs:

Der CDO im Blickpunkt: Aufgaben und Verantwortungsbereiche

Die Kern-Aufgaben des CDOs im Überblick:

  • Trend- und Technologie-Scouting: CDOs analysieren und erkennen alle neuen Trends und Technologien und behalten die Dynamik und/oder Beständigkeit von Trends und Veränderungen im Unternehmensumfeld im Blick.
  • Den Kunden und den Markt im Blick: CDOs bewerten und priorisieren die sich stetig verändernden Kunden- und Marktanforderungen kritisch.
  • Der strategische Part: CDOs sind verantwortlich für die Definition und Umsetzung von neuen (digitalen) Geschäftsmodellen und unternehmensweiten Strategieveränderungen.
  • Aktives Innovations-Management: Sie führen Machbarkeits- sowie Trend-/Marktanalysen durch und zeigen damit den den Fachbereichen Innovationspotenziale auf.
  • Digital Leadership und Transformation anführen: CDOs erstellen Transformationspläne, kontrollieren deren Umsetzung und greifen bei Bedarf ein.

CDOs verfügen über die Fähigkeit, wirtschaftliche Erwägungen mit technologischen Möglichkeiten zusammenzudenken, sie kombinieren ein Bewusstsein für Innovationen mit realistischen Einschätzungen. Darüber hinaus sollten sie ein gerüttelt Maß an Erfahrungen in den Bereichen Projekt- und vor allem Changemanagement idealerweise in einem Transformationskontext mitbringen.

Der CIO im Blickpunkt: Aufgaben und Verantwortungsbereiche

Die Kern-Aufgaben des CIOs in der Übersicht:

  • IT-Roadmapping: CIOs sind verantwortlich für die strategische Ausrichtung der IT
  • Sicherstellung der Business Continuity sowie IT- und Cyber-Security
  • Demand Management im Sinne von Anforderungen aus den Fachbereichen aufnehmen, kanalisieren, harmonisieren und zur Umsetzung bringen.
  • Der technische Part: CIOs sind verantwortlich für die gesamte IT-Infrastruktur: von den Servern im Rechenzentrum und den Netzwerken über die Datenbanken bis zu den einzelnen Anwendungen. Das umfasst auch IT-Security und IT-Support.
  • Prozesse durch zukunftsorientierte IT-Systeme optimieren und automatisieren.

Es kristallisiert sich sehr klar heraus, dass der CDO – anders als der CIO – deutlich aktiver in die Entwicklung des Unternehmens eingebunden wird. Er soll die digitale Transformation maßgeblich gestalten – und zwar nicht nur auf der Ebene der Technologie und der Prozesse (wie der CIO), sondern auch auf Ebene der Organisation und vor allem des Marktes und des Wettbewerbs. Dafür muss er die Entwicklungen am Markt und die Wünsche der Kunden im Blick behalten und diese verstehen, um daraus die richtigen Schlüsse für die Produkte und Services des Unternehmens zu ziehen. Gleichzeitig muss er die Konsequenzen bedenken, die sich daraus für das Unternehmen und auch für die IT als Umsetzer ergeben.

Es ist schon jetzt in vielen Unternehmen so, dass nicht nur der CDO, sondern auch der CIO nicht mehr nur anforderungsgesteuert reagieren, sondern aktiv mitgestalten! Sowohl CIO als auch CDO müssen damit rechnen, dass sich ihre Rollen organisch im Unternehmen verändern werden. Zuweilen wird der CDO nur temporär eingesetzt und seine Rolle der innovierenden Transformation wird nach Abschluss nicht mehr benötigt und der CIO übernimmt den Betrieb.

Ob dies wirklich der Realität entspricht, wage ich zu bezweifeln. Denn meiner Meinung nach gilt der Grundsatz: „Transformation ist keine einmalige Veranstaltung, sondern ein immer fortwährender Prozess! Wenn ein Unternehmen nicht mehr zur Transformation in der Lage ist, wird es nicht weiter existieren können!“.

Daher wird es beide Rollen weiterhin geben müssen. Ob der CDO in 5 oder 10 Jahren dann immer noch Chief Digital Officer heißt, sei dahingestellt. Die Notwendigkeit der Transformation des Unternehmens in die dann vorherrschenden neuen Anforderungen des Marktes bleibt jedenfalls bestehen. Und damit benötigt das Unternehmen auch die Rolle des Transformators und „Veränderers“, sei es dann der CEO selbst, der CDO oder am Schluss vielleicht doch der CIO.

Für die weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema empfehle ich das Buch „Der Chief Digital Officer – Die Schlüsselposition für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie“ von Friedrich von Böselager. Weiterhin hilfreich kann das Strategiepapier: „Die ersten 100 Tage als CIO: So positionieren Sie sich und die IT strategisch für die Zukunft!“ sein. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, dann freue ich mich auf Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße

Volker Johanning

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