Agilität jenseits von Gut und Böse

Agilität und „Agil sein“ ist heute in aller Munde. Trotzdem ist die Wahrnehmung oft, dass Projekte einfach nicht fertig werden. Leider zu oft sind die Themen zu fast 80-90% fertig, aber richtig abgeschlossen und in den Fachbereichen zum Einsatz gekommen sind sie oft nicht. Dann hört man oft die alte Leier von der bösen „Bürokratie“, die einen am fertig werden hindert. „Agilität“ scheint auch hier das Stichwort der Stunde zu sein. Denn wer agil arbeitet, schafft mehr und wird schneller fertig! Ist das wirklich so?

Zunächst eine kurze Begriffserläuterung: Was ist Agilität eigentlich?

Es geht darum, schon in einem sehr frühen Stadium produktiv nutzbare Ergebnisse zu liefern. Diese werden dann kontinuierlich optimiert bis das Endprodukt steht oder das Projekt abgenommen wird. Tatsächlich entstand die Agilität als eine Reaktion auf langsame, bürokratische Organisationen.

Nach dieser Begriffsdefinition scheint Agilität tatsächlich ein möglicher Helfer zu sein, die Dinge fertig zu kriegen. Jetzt ist es aber leider so, dass agile Arbeitsweisen schon seit Jahren in aller Munde sind und vielfach einfach mal ausprobiert wurden. Und oftmals hat man leider festgestellt, dass die agile Arbeitsweise sich mit der aktuellen Organisation beißt und nicht so richtig Fahrt aufnimmt. Man hört zuweilen etwas ketzerische Kommentare wie zum Beispiel: „Ohh, das war wohl etwas zu agil!?“ wenn man zum Beispiel nach einigen Tagen oder Wochen merkt, dass das tolle MVP (Minimum Viable Product) doch nicht so funktioniert wie es eigentlich sollte. Dabei wurde es doch nach agilen Methoden entwickelt und jetzt beschwert sich der Fachbereich.

Was ist zu tun: Wie muss Agilität richtig eingesetzt werden?

Wurde Agilität einfach falsch verstanden oder falsch „benutzt“? Vielleicht muss es ja auch nicht gleich die ganze Bandbreite an SCRUM-Funktionen sein. Eine Losung der Agilität kann zum Beispiel lauten: „Mehr Umsetzung, weniger Planung und weniger Meetings!“. Das heißt nicht, dass sofort alle Projektmanagementstandards über den Haufen geworfen werden müssen. Aber sich einfach bei der Planung im Outlook-Kalender immer wieder die Frage zu stellen: „Brauchen wir dieses Meeting wirklich? Wie kann ich schneller zum Ziel kommen? Wo hört Planung auf produktiv zu sein?“.

Zwei Punkte für den schnellen Erfolg

Fangen Sie an zwei Dinge zu beherzigen, die zwar nicht in der Agilitäts-Bibel stehen, die aber helfen agil zu werden:

  1. Geschwindigkeit: Was hält Sie vom „Fertig-Werden“ ab? Was kann abgestellt werden, damit Sie konzentriert und produktiv an ihrem Thema arbeiten können? Wenn Sie merken, dass sie abgelenkt werden, sofort wieder in den Produktiv-Modus umschalten. Sie müssen immer das Ziel im Auge behalten und die Dinge fertig kriegen.
  2. Konsequenz: Um den „Fertig-Werden-Modus“ durchzuhalten, brauchen Sie Konsequenz. Sie müssen andere Dinge und Projekte ablehnen. Sie müssen sich voll auf eine Sache konzentrieren können und damit andere Anforderer „verprellen“ bzw. auf später vertrösten. Sie müssen Meetings absagen und Telefonate „abwehren“ und das konsequent. Dann erreichen Sie ihr Ziel auf eine möglichst „agile“ Art und Weise.
Volker Johanning IT-Strategie, IT-Organisation, Digitalisierung, Restrukturierung, Transformation hat 4,95 von 5 Sternen 8 Bewertungen auf ProvenExpert.com