Everybody‘s Darling is Everybody’s Depp!

Sie kennen sicherlich auch die folgende Situation: Im Rahmen eines Roll-Out’s einer Software kommt der Vertriebsleiter auf Sie zu und sagt: „Mensch, das haben wir doch schon immer so gemacht! Und ganz ehrlich: Das macht uns doch aus! Das muss so bleiben!“.

Worum geht es? Natürlich: Standards vs. Customizing! Der ewige Kampf des CIOs. Gerade in großen Roll-Out’s aber auch im Tagesgeschäft kommt die ständige Frage hoch: „Warum müssen wir das jetzt mit der neuen Software anders machen, wir haben es doch immer so gemacht und anders geht es nicht!“.

Worum geht es bei diesen Aussagen? – Zunächst mal ist es vordergründig Angst. Nämlich die Angst vor dem Neuen in Form einer geänderten Arbeitsweise, die bisher ins Blut übergegangen ist. Man hat sich einfach daran gewöhnt und kann es sich nicht mehr anders vorstellen. Außerdem spielt es oftmals eine Rolle, dass sich der User mit der bestehenden Funktionalität ein Wissen und eine Art besondere Stellung erarbeitet hat, die nur er im Unternehmen inne hat. Wer will die schon gerne freiwillig aufgeben? Bisher wurde immer er gefragt und nur er konnte diese Auswertung liefern oder diese Funktionalität wirklich sicher bedienen. Denn meistens hat er sie sich auch mal ausgedacht und immer weiterentwickelt (lassen).

Es wird also schnell deutlich: Es geht gar nicht um die Funktionalität und die Technik dahinter, sondern um pure Angst vor einer neuen Arbeitsweise, manchmal sogar um einen Verlust der alten Arbeitsweise, da die neue Funktionalität vielleicht jemand anderes bedienen wird. Daneben um die besondere Stellung, die man sich meistens über Jahre erarbeitet hat.

Im Kern geht es also um eine Veränderung, neudeutsch immer gerne Change Management genannt.

Und hier kommt der CIO ins Spiel. Er hat das Interesse, die IT im Sinne des Unternehmens so effizient und kostengünstig wie möglich zu betreiben. Und spezifische Anpassungen, Customizing sind immer Effizienzkiller. Die folgende Grafik zeigt sehr schön wie die Komplexität und vor allem der (Kosten-)Aufwand mit der Anzahl der Anpassungen deutlich und sogar exponential steigt. Gerade bei Release-Wechseln oder Updates wird der Aufwand teilweise ins Unermessliche getrieben, nur um auf den aktuellen Stand der Software zu kommen. Das sind Kosten, die nicht sein müssten, da sie oftmals nur aus Gründen der oben genannten Angst und Stellung weiterhin im System abgebildet werden. Aber das sind in den häufigsten Fällen nicht die Gründe, die für das Unternehmen Mehrwert schaffen. Denn nur allzu häufig ist der bereits in der Software abgebildete Standard für ein Unternehmen vollkommen ausreichend und verringert die Komplexität und die Kosten.

Daher muss der CIO hier immer klare Kante zeigen und darf sich nicht zu „Everybody’s Darling“ herablassen, denn dann wird er am Ende tatsächlich der Depp sein, der seine IT-Architektur so schnell am Ende sieht wie keiner sonst, da die Software nicht mehr updatefähig ist.