Es kommt leider zu oft vor: Eine neue Unternehmens-, Digitalisierungs- oder IT-Strategie ist mit viel Schweiß erarbeitet, in allen Gremien verabschiedet, es hat viele Kommunikationsrunden gegeben und die neue Strategie ist schon seit ein paar Wochen am Start. Doch es tut sich nichts! Keine neuen Anfragen, geschweige denn neue Kunden und auch die Mitarbeiter sind nicht zufrieden! Die schöne, neue Strategie stockt und bringt nicht die erhofften Ergebnisse.

Was nun?

Helfen kann Justus Freiherr von Liebig mit seinem schon vor mehr als 150 Jahren erfundenen Minimumprinzip. Anhand des Pflanzenwachstums bemerkte von Liebig, dass es nichts nützt, einer Pflanze einen ganzen Eimer Kali, Phosphorsäure, Stickstoff und Magnesium zu geben, wenn die Pflanze im Grunde nur 5g Kali braucht. Mit 5g wächst sie gut, bis ein anderer Engpass (immer die im Verhältnis knappste Ressource) dieses Wachstum wieder verhindert.

Die Quintessenz daraus: Es macht keinen Sinn hektisch alles auf einmal zu probieren. Der Engpass muss erst gefunden werden. Und die Arbeit nur an diesem einen Engpass löst den Knoten und lässt auch in unserem Beispiel die Strategie zum Leben erwecken.

Die folgenden zwei Fragen sind dabei hilfreich:

  1. Was ist der eine, erfolgsbehindernde Faktor?
  2. Wie begründet sich der Engpass?

Wie findet man jetzt den aktuellen Engpass in unserem Strategiebeispiel?

Auf jeden Fall hilft hektisches Weiter-Kommunizieren nicht weiter. Des weiteren sind Meetings vollkommen ungeeignet, um den Engpass zu finden. Denn Meinungsbildung führt nicht zum Engpass, sondern nur die Analyse des Problems.

Und die führt uns zur Frage: „Warum entwickelt die Strategie nicht die angedachten Ziele?“. Im Dialog mit den unzufriedenen Mitarbeitern kann man beispielsweise zunächst herausfinden, warum sie unzufrieden sind, was aus deren Sicht nicht an der Strategie nicht passt und was sie anders machen würden. Des weiteren können langjährige Bestandskunden befragt werden zu der entwickelten Strategie. „Was bringt Ihnen diese Strategie? Was stört Sie aktuell an unserer Dienstleistung bzw. unserem Produkt? Wie würde Ihr idealer Lieferant bzw. Dienstleister aussehen?“

Mit diesen Antworten können Sie Ihre Strategie nun sinnvoll überarbeiten. Bevor nun dieses neue Strategie-Update wieder mit großem Getöse verabschiedet wird, macht es Sinn die Mitarbeiter und idealerweise auch ein paar geeignete Bestandskunden in den Strategieprozess einzubeziehen.

Wenn diese Schleifen im Strategieerstellungsprozess erfolgreich genommen worden sind, dann kann die Strategie in der Praxis erneut getestet werden. Bis der nächste Engpass auftritt und analysiert werden muss.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen bei der Suche und Analyse Ihrer aktuellen Engpässe.

Es grüßt Sie herzlich

Volker Johanning

 

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